Sonnabend, der 28. August 1999

 

Eigentlich wollten wir heute einen Ausflug zum Nikko - Kloster unternehmen, wo die 3 bekannten Affen zu besichtigen sind, welche nichts sehen, hören und sagen. Leider war so kurzfristig keine Fahrt zu bekommen. Also nutzten wir die Zeit zum Ausschlafen. Dies sollte dann auch die einzige Möglichkeit während der Reise bleiben.. Mittags machten wir uns auf die Socken und besuchten zuerst ein Schwert-Museum. Raffael konnte sich zu Glück noch an den Standort erinnern. Wir konnten viele alte Klingen und das sonstige Schwertzubehör besichtigen, hergestellt von sehr berühmten Meistern. Leider waren die meisten Informationen in japanisch geschrieben.

Später kamen wir wieder in die Nähe des "Vergnügunsvirtels". Schon fast auf dem Heimweg, Eric sollte ja am Sonntag ausgeruht zur Wado Kai Weltmeisterschaft antreten, fanden wir inmitten vieler kleiner "Verkaufsbuden" einen Stempelhersteller. Da er kein englisch verstand machten wir ihm mit viel Mühe begreiflich, daß wir Stempel mit Karateschriftzeichen haben ( in Holz geschnitzt ) wollten. Mit Hilfe von Stempeln im DKV-Ausweis und deutlichster Aussprache klappte das auch. In drei Stunden sollten wir sie abholen können.

Was tun, zurückfahren hatte nun keinen Sinn mehr. Gleich nebenan befand sich eine Gasse, in die wir uns am Abend vorher nicht reingtraut hatte. Im Dunkeln sah sie aus wie in einem Honkong-Eastern, in dem man auf Schritt und Tritt auf Yakuza- und Triadenmitglieder trifft. Eine kleine Kneipe an der anderen. Also, einmal ganz durch und dann entschieden wir uns für das "FUKU HACHI" von H. Muraoka. Hier wurden uns so eine Art kleine Schaschliks angeboten. Schinken, verschiedenes Fleisch und Fisch. Da wir uns erst alle kleinen Läden dieser Art angesehen hatten, war der Inhaber besonders dankbar und freundlich wegen unserer Entscheidung, bei ihm einzukehren.
Erste Bestellung : "San biro kutorossai" = "Drei Bier bitte". Demonstrativ die kleinen Gläser beiseiteschiebend, tranken wir aus den Flaschen, was uns die Frage "German?" bescherte. So begann einer der schönsten Abende der Reise, weil solch direkter Kontakt nur selten möglich war. Die Gespräche drehten sich um Japan, Deutschland und natürlich den World-Cup. Vorweggenommen, die Einladung dazu am nächsten Tag nahm Herr Muraoka an und kam auch in die Wettkampfhalle.

Hier war nun auch die Gelegenheit gekommen, die Frage nach der Bedeutung der Geste "Daumen reibt Zeigefinger" zu klären. Wiederum zuerst strikte Ablehnung. Eric erklärte der niedlichen Angestellten, wohl eine Verwandte, die hier gleichzeitig dolmetschte, auf englisch, daß wir ja keine Fehler machen und niemanden verärgern wollten. In Europa sei dieses Zeichen allgemein bekannt für die Frage : "Wieviel muß ich ( für einen Artikel ) zahlen?". Nach langem hin und her erklärte sie uns : Genau wüßte man es auch nicht, aber vermutlich besteht ein Zusammenhang zu homosexuellen Kreise. Aha, vonwegen vermutlich. Zum Abschluß schenkte Muraoka-San uns noch ein Exemplar der aktuellen SUMO - Rangliste. Die zwei Stunden waren wirklich Klasse.

 

Fotos : © by Uwe Rennicke

 

Drei Bier in der schon beschriebenen Tokioter Hitze waren wir dann etwas geschafft. Wir holten unsere Stempel ab, der Schnitzer machte gerade den letzten Schnitt, und fuhren zurück ins Olympic-Center. Ab mit dir in die Falle Eric, schließlich wollen wir morgen eine respektable Leistung sehen.

 

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aktualisert am 17.11.2000